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Integration einmal anders TEXT A Fußballtraining in Kreuzberg1. Marwin rennt. Die Jungs schreien über den Platz. Türkische Wrote vermischen sich mit deutschen: „Super, Marwin!“ ruft einer und klopft ihm auf die Schulter. Marwin ist 10, groß für sein Alter, sehr blond, wohnt in Kreuzberg und ist in seiner Mannschaft beim
Integration einmal anders TEXT A Fußballtraining in Kreuzberg1. Marwin rennt. Die Jungs schreien über den Platz. Türkische Wrote vermischen sich mit deutschen: „Super, Marwin!“ ruft einer und klopft ihm auf die Schulter. Marwin ist 10, groß für sein Alter, sehr blond, wohnt in Kreuzberg und ist in seiner Mannschaft beim Club Türkiyemspor der einzige mit deutschen Eltern. Genau wie in seiner Schulklasse und in seinem Freundeskreis. Probleme hat er deshalb keine, im Gegenteil. „Wir haben uns zu Beginn schon Sorgen gemacht“, sagt sein Vater, „aber dann sind wir da offensiv rangegangen. Hier wird sowieso überall Türkisch gesprochen, da dachten wir: wenn schon, dann richtig.“ Mittlerweile sehen seine Eltern die türkische Kultur und Sprache als Bereicherung. Schon in der Kita2 hatte Marwin eine Erzieherin, die mit ihm Türkisch gesungen und gezählt hat. Seit der ersten Klasse ist er auf einer zweisprachigen Schule. Dort hat er Türkischunterricht und einen Teil der Sachfächer auf Türkisch. Die Aziz-Nesin-Schule ist eine staatliche Europaschule. Der Unterrichtsstoff richtet sich nach dem normalen Berliner Rahmenlehrplan, mit der Ausnahme3, dass auf Türkisch und Deutsch unterrichtet wird. Genau davon werden viele deutsche Eltern abgeschreckt. Sie lassen ihre Kinder alle möglichen Sprachen lernen – Französisch, Spanisch oder Chinesisch. Aber Türkisch? In Deutschland lernt fast niemand Türkisch. Und auch zum Austauschjahr gehen Schüler eher nach Norwegen oder Peru als in die Türkei. In Marwins Klasse haben alle bis auf ihn mindestens ein türkisches Elternteil, ihre Sprachkenntnisse sind trotzdem sehr unterschiedlich. Manche wachsen bei ihrer deutschen Mutter auf oder haben türkische Eltern, die sehr gut Deutsch sprechen. Andere kommen aus türkisch-polnischen oder türkisch-russischen Familien und lernen Deutsch als dritte Sprache. Je nach Muttersprache werden sie besonders gefördert4. „Die Kinder sollen sich auf das Deutsche einlassen5 können, ohne ihre eigene Herkunft leugnen6 zu müssen. Integration bedeutet für uns, voneinander und miteinander zu lernen“, sagt Demet Siemund, die Klassenlehrerin. Marwin sitzt darum neben Bilge – sie haben ähnliche Stärken und Schwächen in der jeweils anderen Sprache. […] Ob seine Familie anders ist als die Familien seiner Freunde? Marwin überlegt lange. Einen Unterschied sieht er nicht – außer, dass die anderen besser Türkisch sprechen, natürlich. Nach Katrin Zeug, SPIEGEL ONLINE, 25. April 2008 TEXT B Iris Alanyali hat eine deutsche Mutter und lebt in Deutschland. Sie möchte die türkische Sprache besser lernen und macht deshalb einen Sprachkurs in Istanbul. Dort trifft sie viele deutsche Frauen, die einen türkischen Partner haben. Die Studentenschaft bestand zu 95 Prozent