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In Solothurn aufwachsen Solothurn ist eine Stadt in der deutschsprachigen Schweiz. Text A: Zuerst etwas über mich: Ich bin Sohn von Emigranten, meine Eltern sind vor beinahe dreißig Jahren aus dem Hinterland Neapels in die Schweiz gezogen, um hier zu arbeiten. Ich bin in Solothurn geboren und in dieser Region
In Solothurn aufwachsen Solothurn ist eine Stadt in der deutschsprachigen Schweiz. Text A: Zuerst etwas über mich: Ich bin Sohn von Emigranten, meine Eltern sind vor beinahe dreißig Jahren aus dem Hinterland Neapels in die Schweiz gezogen, um hier zu arbeiten. Ich bin in Solothurn geboren und in dieser Region als Ausländer aufgewachsen. Ich erinnere mich an eine Fernsehsendung, an das Porträt eines Solothurner Filmemachers, 5 vor etwa einem Jahr. Er ist von Solothurn nach Rom weggegangen, weil, wie er sagte, die Sicht der Welt hier zu eng sei und diese Enge kein kreatives Klima ermögliche. Er ist aus Solothurn weggegangen, er ist aus Überzeugung emigriert, und seine Begründung leuchtete mir ein. Ich stellte mir vor, auch so zu handeln wie er, auch wegzugehen, und da merkte ich, dass ich das nicht könnte. 10 Auch ich ärgere mich über die Beschränktheit1 der Provinz und der Schweizer; und erst, wenn einer kommt und sagt: „Geh doch zurück nach Italien, wenn es dir hier nicht passt!“, merke ich, wie dünn der Boden unter meinen Füßen ist2. Ich kann dann schon sagen: „Was heißt hier zurück?“, aber immerhin3 habe ich einen italienischen Pass und bin Bürger von Monteforte Irpino. 15 Ich freue mich auf Reisen. Sitze ich dann im Zug, werde ich unruhig. An der Grenze bei der Passkontrolle fällt mir ein: „Und was, wenn die Grenze zu ist, wenn ich zurück will?“ Diese Angst begleitet mich, wenn ich reise; wohl wird mir erst wieder, wenn sich herausgestellt hat, dass keine Grenzen verschlossen waren, dass die Züge immer noch in Solothurn halten. Ich merke, dass ich immer so reagiere, das macht mich wütend, und ich finde mich lächerlich. 20 Wenn ich von Solothurn wegfahre, beginnt das Unvertraute, das Ausland. Geht die Reise nach Neapel, in die Heimat meiner Eltern, ist dort, wo ich aussteige, wieder Heimat. In Neapel spricht man so wie wir bei uns zu Hause. [...] Für mich und meine Ausländerfreunde ist es ganz klar, wo wir zu Hause sind, nämlich hier in der Schweiz. Es ist eine Erfindung der Schweizer, dass wir uns hier nicht zu Hause fühlen 25 können, weil wir einen anderen Pass haben. Wir fühlen uns hier zu Hause, nur dass zu unserer Heimat auch das Italienische oder das Türkische gehört; zu meiner Heimat zum Beispiel das Neapolitanische. Ich habe Eltern, die nicht deutsch können, mit denen ich ausschließlich neapolitanisch spreche. Text B: Seit dem 15. April