Aperçu du sujet
Zu Beginn meiner Karriere kannte ich den Begriff „gläserne Decke“ (1) nicht. Vermutlich hätte ich ihn auch nicht verstanden. Ich war erfolgreich und wurde befördert – schneller als mancher Kollege. In meiner Weltsicht war Karriere diskriminierungsfrei. Als ich dann Jahre später Bekanntschaft mit der gläsernen Decke machte, schien sie mir
Zu Beginn meiner Karriere kannte ich den Begriff „gläserne Decke“ (1) nicht. Vermutlich hätte ich ihn auch nicht verstanden. Ich war erfolgreich und wurde befördert – schneller als mancher Kollege. In meiner Weltsicht war Karriere diskriminierungsfrei. Als ich dann Jahre später Bekanntschaft mit der gläsernen Decke machte, schien sie mir eher aus Beton zu sein. 5 Aus dem anstehenden Aufstieg ins Management wurde nichts, trotz sehr guter Beurteilungen. Alle sechs Monate sah ich zu, wie Männer, die auf der Karriereleiter (2) einst hinter mir waren, mich flott überholten. Nur zwei Dinge unterschieden mich von ihnen – ich bin weiblich und habe ein Kind. Die Begründung für meine Nichtbeförderung war für eine Frau mit Ost-Sozialisierung nicht zu 10 begreifen. Ich lernte, dass ein „hervorragend“ nur halb so viel wert ist, wenn man nur 50 Prozent arbeitet. Ich hätte ja selbst zwischen Karriere und Familie gewählt und könne mich nun nicht darüber beschweren. Mein Vorgesetzter (3) schwärmte davon, dass seine Frau wisse, „wo ihr Platz ist“. Als Managerin mit Prädikatsabschluss (4) einer Eliteuniversität habe sie in drei Jahren drei Kinder bekommen und kümmere sich nun zu Hause um sie. Er sprach 15 davon, dass Kindergärten den Nachwuchs (5) asozial machten und der Beruf für Mütter nicht so wichtig sei. Mein Sohn wurde im Jahr 2000 geboren, und relativ bald arbeitete ich wieder Vollzeit. Auch das passte vielen nicht. Ich weiß nicht mehr, wie oft ich gefragt wurde: „Wie kommt dein Kleiner damit klar, dass du arbeitest?“ Ich begann, mich zu rechtfertigen, erzählte von einem 20 fein gesponnenen Betreuungsnetz (6) aus Tagesmutter, Kita (7), Oma und Papa. Trotzdem bekam ich Schuldgefühle, dabei hätte ich doch am liebsten einfach nur zurückgefragt: „Und wo sind deine Kinder? Und wie kommen die damit klar, dass ihr Papa so viel arbeitet?“ Einer meiner Manager fand es sogar lustig, dass ich am Geburtstag meines Kindes Urlaub nehmen wollte. „Dann müsste ich ja dreimal im Jahr Urlaub nehmen, bei drei Kindern“, bemerkte er 25 lachend. „Ja, müsstest du!“, antwortete ich – und das war ernst gemeint. Ich fing an, mich mit dem Thema Frauen in Führungspositionen zu beschäftigen. Ich las Studien und Bücher, besuchte Workshops und Konferenzen. Ich analysierte Statistiken der Personalabteilung meines Unternehmens. Meine Erkenntnis: Offenbar gab es kaum Frauen in Führungspositionen, ferngehalten durch gläserne Decken. Offenbar sind diese Barrieren 30 dicker für Frauen, die wie ich in männerdominierten Branchen arbeiten und gleichzeitig Mutter sind. Aber ich lernte