Aperçu du sujet
Ein Politologe in der deutschen Eishockeyliga „Als wir in die Schule kamen,“ erzählt Martin Hyun, „gaben unsere Eltern meinen Schwestern und mir deutsche Vornamen. Seitdem heiße ich Martin und nicht mehr Jong-Bum. Das sollte uns die Integration erleichtern. [...] Äußerlich bin ich Koreaner, innerlich Deutscher, denn hier, in Krefeld, bin
Ein Politologe in der deutschen Eishockeyliga „Als wir in die Schule kamen,“ erzählt Martin Hyun, „gaben unsere Eltern meinen Schwestern und mir deutsche Vornamen. Seitdem heiße ich Martin und nicht mehr Jong-Bum. Das sollte uns die Integration erleichtern. [...] Äußerlich bin ich Koreaner, innerlich Deutscher, denn hier, in Krefeld, bin ich geboren und aufgewachsen. Aber: Ich bin ein anderer Deutscher - und ein anderer Koreaner.“[...] Als Jugendlicher träumte Martin Hyun davon, als erster Deutschkoreaner profimäßig in einer hohen Liga zu spielen. Dies Ziel zu erreichen erforderte große Disziplin. „Ich musste viel mehr als andere leisten, um in der Mannschaft anerkannt zu werden.“ Martin Hyun verfolgte unbeirrbar1 sein Ziel, mit der Unterstützung der Eltern im Rücken. Der Vater fuhr ihn zu sämtlichen Eiskunstschulen in Europa. Seine Eltern verzichteten viele Jahre lang auf Urlaub, um die Kosten tragen zu können. Hyun studierte an mehreren amerikanischen Universitäten, die auch Eishockey anboten. In Brüssel legte er seinen Master für International Relations ab. In den Sommerferien kam er nach Krefeld, um mit der Profimannschaft zu trainieren. Als Hyun schließlich seinen ersten Vertrag für die Saison 2004/05 mit der Profimannschaft der Krefelder Pinguine unterschrieb, war er fertig studierter Politologe mit Nebenfach International Business. Mit der Unterschrift ging sein Traum in Erfüllung. Er wurde der erste Deutschkoreaner, der in der deutschen Eishockey-Liga spielte. [...] Am Ende der Saison entschied er sich zu einem einjährigen Aufenthalt in Südkorea. Mit dem Plan, eine Doktorarbeit zu schreiben, wollte der 27-jährige Politologe einen Einblick in die koreanische Politik gewinnen. Ein deutscher Politiker verhalf ihm zu einem Praktikum im Parlament in Seoul. Vor seinem Abflug nach Asien übte sein Vater mit ihm ein Begrüßungsritual, mit dem man Älteren Respekt zeigt. Und erklärte, dass man in der Anwesenheit von Älteren keinen Alkohol trinken dürfe. Als Martin Hyun seinen Onkel in Seoul sah, ging er auf die Knie und berührte mit der Stirn den Boden. „Lass das, „ meinte der Onkel, „das ist altmodisch.“ Er bot ihm ein Bier an. Martin konnte es nicht trinken, die Stimme seines Vaters war stärker. Korea war in seiner Fantasie das gelobte Land.2 „Meine Eltern hatten nur positiv von Korea gesprochen. Ich glaubte, man würde mich mit offenen Armen empfangen, aber es kam anders. Ich war für die Leute kein echter Koreaner und wohl auch ein Konkurrent, weil ich anderswo studiert hatte, und fühlte mich daher wie Deutschland genötigt, das Doppelte zu leisten, um akzeptiert zu werden.“ Martin