Aperçu du sujet
Eine Freundschaft fürs Leben Diese Geschichte nahm ihren Anfang an einem Sommertag im Jahr 1973 in Ostberlin. Unsere Lehrerin, Frau Hauschild, trat mit dem Klingelzeichen in den Klassenraum. Während sie hereinkam, stellten wir uns neben die Stühle, und Lutz ging nach vorn, um Meldung zu machen. Sie sah zuerst uns
Eine Freundschaft fürs Leben Diese Geschichte nahm ihren Anfang an einem Sommertag im Jahr 1973 in Ostberlin. Unsere Lehrerin, Frau Hauschild, trat mit dem Klingelzeichen in den Klassenraum. Während sie hereinkam, stellten wir uns neben die Stühle, und Lutz ging nach vorn, um Meldung zu machen. Sie sah zuerst uns an, dann Lutz. Lutz war unser 5 Er stand neben Frau Hauschild, blickte ernst zu uns in den Raum und befahl laut: „Klasse 3a! Achtung! Seid bereit!“ Darauf antworteten wir mit dem Pioniergruß2: „Immer bereit!“ Lutz drehte sich zu unserer Lehrerin um und verkündete: „Frau Hauschild, ich melde, die Klasse 3a ist zum Mathematikunterricht bereit.“ „Danke. Setzen! Heute wollen wir addieren und dividieren.“ [...] Während die anderen rechneten, war ich 10 mit meinen Gedanken woanders... Ich hörte ein wiederholtes Klopfen. Die Tür öffnete sich, und herein kam der Schuldirektor. Herr Maier hielt ein Mädchen an der Hand. Sie hatte dunkelbraune Haut, schwarze Haare und braune Augen. Sie sah ganz anders aus als wir. Sie musste aus einem sehr fernen Land kommen. „Hallo, ihr Mathematiker!“, rief Herr Maier. „Ich bringe euch eine neue Klassenkameradin. Das hier ist Aischa aus Kairo. Und sie spricht sehr gut Deutsch. Jetzt wohnt sie in Berlin und wird in eure Klasse gehen. 15 Seid nett zu ihr“. Das Mädchen tat so, als würde sie nicht bemerken, dass alle sie beobachteten. Sie ist bestimmt eingebildet3, dachte ich. Von der Neuen wollte ich sowieso nichts wissen! Nach einiger Zeit ist Sophie, die Erzählerin, jedoch Aischas beste Freundin geworden. Dann musste Aischa nach Ägypten zurück, wo sie heute mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern lebt. Wir hatten wenig Kontakt. Viermal im Jahr eine E-Mail, ein Telefonat. Das machte uns beide nicht froh, doch jede hatte ihren Alltag. 20 Jahre später sahen wir uns in Berlin wieder. Im neuen Berlin, im Berlin ohne Mauer. Aischas Firma hatte das Hotel Four Seasons für ein Wochenende gebucht. [...] Nachdem Aischa ihr Zimmer bezogen und ihre Kollegen begrüßt hatte, gingen wir auf unsere ganz persönliche Berlintour. Einer ihrer Kollegen kam mit. Zuerst besuchten wir ihr altes Wohnhaus, dann unsere Schule. Erstaunlich, wie wenig sich verändert hatte. 25 Zu dritt stiegen wir die altvertrauten Treppen des Schulhauses hoch, spazierten durch die Flure und erinnerten uns an jede Kleinigkeit. „Weißt du noch, als du mich abgeholt hast und Lutz dich fragte, ob er mal deine Haare anfassen darf?“ Aischas Kollege hörte ungläubig zu. Sie