Aperçu du sujet
Druchgeboxt Susianna Kentikians Lebensgeschichte ist wie eine Boxstory im Film – eine die zeigt, wie man es schaffen kann. Sie hat etwas von Sylvester Stallones Rocky und Clint Eastwoods Million Dollar Baby. Diese junge Armenierin, die alle Susi nennen, mit 1,53 Meter Körpergröße die kleinste Profiboserin Deutschlands, verwandelt1 sich, wenn
Druchgeboxt Susianna Kentikians Lebensgeschichte ist wie eine Boxstory im Film – eine die zeigt, wie man es schaffen kann. Sie hat etwas von Sylvester Stallones Rocky und Clint Eastwoods Million Dollar Baby. Diese junge Armenierin, die alle Susi nennen, mit 1,53 Meter Körpergröße die kleinste Profiboserin Deutschlands, verwandelt1 sich, wenn sie in den Ring steigt. Dann verschwindet das Lächeln der 19- Jährigen und alles Mädchenhafte2. Ihre 14 Profikämpfe hat sie alle gewonnen, 11 endeten mit dem K.o der Gegnerin. Ihr Spitzname ist „Killer Queen“. Susianna Kentikian kommt von dort, wo einem populären Mythos zufolge alle Boxer herkommen : von ganz unten. 1992 kam ihre Familie nach Hamburg, auf der Flucht vor Unruhen in Armenien. Über die ersten Jahre in Deutschland sagt sie wenig. Bis vor drei Jahren lebte sie mit Eltern und Bruder in einem Asylbewerberheim, zu viert in einem Zimmer. […] Die Familie lebte in ständiger Angst, wieder zurückzumüssen nach Armenien. „Jeder hatte mehrere Jobs. Ich ging nach der Schule in einem Fitnessstudio putzen“. Kentikian hat früh gelernt durchzuhalten3, ihre Angst zu besiegen – Tugenden4, die ihr auch im Sport nützen. Inzwischen hat die Familie ein Bleiberecht und kann sich eine Dreizimmerwohnung in der Nähe des Boxstalls leisten. Den deutschen Pass hat Kentikian zwar noch nicht, doch er ist beantragt5, für alle Mitglieder der Familie. „Vielleicht geht es schneller, wenn die Behörden sehen, dass ich im Fernsehen bin“, sagt sie. Wenn Susianna Kentikian boxt, kämpft sie auch für ihre Familie – eine Geschichte, wie sie die Leute lieben. Der Ring verwandelt sich in eine Schicksalsbühne6, auf der um Anerkennung7 gekämpft wird und wo am Ende der Stärkere gewinnt. […] Als Kentikian mit dem Sport anfing, war sie zwölf. Sie hatte vieles ausprobiert, „ich hatte einfach zu viel Energie in mir“. Ihr Bruder boxte. Einmal begleitete sie ihn, und sein Trainer forderte sie auf, mitzumachen. Also ging sie in den Ring. „Ich konnte alles rauslassen“, sagte sie, „und mich hat die Härte fasziniert“. Sofort habe ihr das Boxen geholfen, abzuschalten, „an nichts zu denken“. Zu Hause, bei der Familie, warteten die Sorgen. Sie begann, jeden Tag zu trainieren. Seit zwei Jahren ist sie Profi, nebenbei machte sie ihren Realschulabschluss. Von rund 350 registrierten Profiboxern in Deutschland sind nur 36 Frauen. Boxerinnen müssen sich immer noch gegen Vorurteile wehren8 : Faustkampf und Weiblichkeit passen nach Ansicht vieler nicht zusammen. Als olympische Disziplin ist Frauenboxen nicht zugelassen. Erst Kentikians Vorbild Regina Halmich