Aperçu du sujet
China Blues und grüner Tee Dinah, die Erzählerin, lebt mit ihrer Familie in Frankfurt. Nun soll ihr Vater nach China gehen, um dort für seine Firma zu arbeiten. „Und was ist, wenn ich ablehne1 und hier bleiben möchte?“ fragt Dinah. Für ein paar Sekunden herrscht wieder Schweigen am Tisch. Meine
China Blues und grüner Tee Dinah, die Erzählerin, lebt mit ihrer Familie in Frankfurt. Nun soll ihr Vater nach China gehen, um dort für seine Firma zu arbeiten. „Und was ist, wenn ich ablehne1 und hier bleiben möchte?“ fragt Dinah. Für ein paar Sekunden herrscht wieder Schweigen am Tisch. Meine Mutter dreht den Kaffeelöffel zwischen Daumen und Zeigefinger, mein Vater starrt auf seine Hände. „Wenn du nicht mitwillst, bleiben wir hier“, sagt Daddy schließlich. Ich mustere2 ihn, um herauszufinden, wie ernst es ihm ist. 5 „Aber ich brauche Argumente dagegen. Und ‘Timo nicht allein lassen’ gehört definitiv nicht zu den Argumenten, die für mich zählen würden.“ „Du hältst meine Beziehung zu Timo für eine alberne Teenagerliebe, ja?“ „Das habe ich nicht gesagt. Du weißt, dass ich deinen Freund und seine Ansichten sehr schätze. Ich meine nur, dass dein Timo auch keine Rücksicht auf dich nehmen3 würde, wenn ihm im umgekehrten 10 Fall ein solches Angebot gemacht4 würde. Du würdest dann auch ganz selbstverständlich denken: Na ja, gut, wenn er seine Chance nutzt.“ „Und welche Argumente würden zählen, wenn ich ablehnen sollte?“ „Zum Beispiel, wenn du den Anforderungen da nicht gewachsen5 wärst. Wenn du sagen würdest: Das schaffe ich nicht. Ich kann nicht in einer fremden Sprache lernen.“ 15 Mitten ins Herz. Mein Vater weiß genau, an welcher Stelle er mich packen kann. Niemals würde ich eine Aufgabe aus Angst zu versagen6 ablehnen. Dazu bin ich viel zu ehrgeizig7. „Ich könnte es sogar verstehen“, fährt er fort. „An der internationalen Schule kommst du in die 11. Klasse, und weil man dort nach der 12. sein Abi8 hat, sind die Anforderungen in der Oberstufe9 wesentlich höher als bei uns.“ 20 „Und wenn wir nach einem Jahr heimkehren?“ „Du hättest einen Vorsprung, wenn du auf deine alte Schule zurückgehen würdest. Du könntest aber auch hier auf eine internationale Schule wechseln und nach einem Jahr das Abi machen. Darüber würde ich mir an deiner Stelle jetzt noch nicht den Kopf zerbrechen. Wer weiß, was sich in Nanjing ergibt. Sei doch einfach für alles offen …“ 25 „In den Ferien könnte Timo dich besuchen. Weihnachten würden wir heimkommen“, fügt meine Mama noch hinzu. „Stell dir vor, wie es wäre, wenn du ihm die Stadt zeigen könntest und wie gut du dich in dem fremden Land zurechtfindest. Oder?“ Sie blickt meinen Vater an, der nickt. „Klar, und die Heimreise zahlt sogar die Firma.“ 30 Aber Timos