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Abgefahren1 Warum fünf Inder in einem Taxi durch Europa reisen. Meyn trifft die Inder am Flughafen. Die Männer setzen sich in seinen Wagen. Von hinten hört Meyn eine Stimme, die auf Englisch sagt: Wir möchten Europa kennen lernen. Wir haben uns eine Route ausgedacht: sieben Tage durch zehn Städte, alles
Abgefahren1 Warum fünf Inder in einem Taxi durch Europa reisen. Meyn trifft die Inder am Flughafen. Die Männer setzen sich in seinen Wagen. Von hinten hört Meyn eine Stimme, die auf Englisch sagt: Wir möchten Europa kennen lernen. Wir haben uns eine Route ausgedacht: sieben Tage durch zehn Städte, alles in einem einzigen Taxi, mit einem einzigen Fahrer, 3650 Kilometer. Sie würden ihm 3500 Euro 5 zahlen. Bernd Meyn ist 48 Jahre alt, er wohnt mit seiner Freundin und seiner Tochter in einer Wohnung in Hamburg-Barmbek und fährt seit 23 Jahren Taxi. Er hat bis zu diesem Moment ein kontrolliertes Leben geführt. Er ist in Armstorf geboren, einem Ort mit 500 Einwohnern und war von dort nie weggegangen. Nur manchmal findet er es schade, dass 10 er in seinem Berufsleben nie etwas zu Ende gemacht hat. Er hat früher Sport und Geschichte studiert aber für einen Diplomabschluss fehlte ihm die Energie. Die Freundin bekam ein Baby, und sie hatten wenig Geld. So blieb er Taxifahrer. Meyn sitzt in seinem Taxi und fragt sich, was er machen soll. Wer sind die Männer, woher haben sie das Geld, warum wollen sie so viel Geld für eine Taxifahrt bezahlen? Er weiß 15 nicht viel über Indien, aber er hat gehört, dass die Menschen dort arm sind. „Okay“ sagt er schließlich. „Wohin sollen wir zuerst fahren“? „In einer Woche wollen wir losfahren, zuerst nach Berlin.“ Die Inder wollen wissen, wie Deutschland aussieht. Meyn ist in eine Bibliothek in Hamburg gegangen und hat einige Reiseführer ausgeliehen2. Er will alles richtig machen. 20 Am ersten Tag der Reise erzählt er den Indern von Schloss Sanssouci, Friedrich dem Großen, Kartoffeln und Autos. Von Berlin geht es im Taxi weiter nach Dresden, dann nach Prag und Budapest. Meyn zeigt den Indern die wichtigsten Sehenswürdigkeiten3, er reserviert Hotelzimmer und kümmert sich um Essen und Trinken. Die Inder stellen ihm Fragen: Woher bekommen die 25 Menschen hier ihren Reis? Wie sieht eine Kirche von innen aus? Warum waschen deutsche Männer ihre Wäsche selbst? Meyn hat sich solche Fragen nie gestellt. Er führt die Inder in einen Supermarkt zu den Regalen mit Reis, in eine Kirche, er geht mit ihnen in einen Waschsalon4. Das sind die Momente, in denen Bernd Meyn darüber nachdenkt, was er an seinem Land mag. Er fragt 30 sich, welche seiner Gewohnheiten er nie ablegen5 würde, wenn er denn einmal weggehen sollte. Von Budapest aus fahren die